Ämarcél

Werk: „RiscUs INDecomposição“
Jahr: 2021
Kategorie: Video-Performance

Ämarcél
ist Performance- und Video-Künstlerin. Gemeinsam mit Ihrem Partner Zozio hat sie das Kollektiv „Kartas“ gegründet. Die beiden leben zurückgezogen vom Großstadtchaos der Metropole im grünen Landesinneren des Bundesstaates Rio de Janeiro.

Ihre Arbeit ist eine Werkstatt mit Möglichkeiten plastischer Kunst, Performance, Schriften und poetischen Aufnahmen auf K7-Tonband.

Ämarcél über sich selbst und ihre Kunst:
Zozio und ich lebten in Rio de Janeiro, der Hauptstadt. Zozio kam aus Rio und ich aus Minas Gerais, ich lebte seit acht Jahren in Rio. Aufgrund von Immobilienspekulationen in den Jahren 2013/2014, der Phase vor der Fußballweltmeisterschaft, fanden wir uns ohne anständiges Haus wieder und das wurde zunehmend zum Problem, denn ich hatte bereits eine kleine Tochter und wir hatten den Wunsch, eine gemeinsame Geschichte aufzubauen. Wir hatten von Anfang an auch eine professionelle Partnerschaft, damals haben wir audiovisuelle Arbeiten gemacht. Dann kam die Idee auf, das Haus von Zozios Familie in den Araras-Bergen, in der Stadt Piraí zu besetzen, das bis dahin nur sporadisch von der Familie genutzt wurde. Anfangs wollten wir dort nur einige Zeit verbringen, bis die Weltmeisterschaft und das ganze Chaos in Rio vorbei sein würden. Doch wir entschieden uns zu bleiben und uns anzupassen. Die Idee, sich in der Nähe des Waldes anzusiedeln, war unser Wunsch, aber der Moment, in dem das geschah, war nicht geplant. Zozio spielte zwei Jahre lang weiter in den Bands, die er in Rio de Janeiro hatte, ein Wochenjob. Ich vertiefte mich in meine Forschungen in der Kunst, experimentierte mit Möglichkeiten plastischer Kunst, Performance, Schriften und poetischen Aufnahmen auf K7-Tonband.

In dieser Zeit, in diesem Kontext des Experimentierens mit dem Ort, nahm Zozio das „Zozio Project“ auf und organisierte eine Arbeit, die vor all dem Wandel begann. Zozio machte aus meinen Tonbandaufnahmen einen Sound, den er „Kartas“ nannte, er verstand meine Poetik als Kartas, parallel dazu hatte ich aber ein anderes Projekt mit dem Namen „Kartas INfermentation“, ein Orakel, geschaffen. Der Name Kartas wurde für parallele Schöpfungen vergeben, die gleichzeitig stattfanden, ohne dass wir uns abgesprochen haben. Schließlich haben wir, seit wir hier leben, das Haus INteliê für Kunsterfahrungen geöffnet.

Aus diesen Begegnungen sind viele Kreationen, Projekte, Recherchen und Gedanken entstanden. Wir begannen auch eine Arbeit mit dem Land, wir bauen selbst Gemüse und Getreide an und teilen saisonale Lebensmittel, je nachdem, was im Hinterhof sprießt und uns inspiriert. Die Erfahrung im Kontakt mit der Natur, aber auch der finanzielle Erwerb durch den Lebensmittelverkauf fließen wiederum in unsere Kunst zurück, beide Bereiche sind also miteinander verknüpft.